Verein PalCH

PALESTINE's CHILDREN

  

Die Autofahrt vom Ben Gurion Flughafen bis nach Ost- Jerusalem in die Al-Zahra Strasse kenne ich auswendig. Ich könnte sie mit geschlossenen Augen fahren. Nicht nur wegen der Kurven, Steigungen und Abzweigungen, sondern auch an Hand der Düfte entlang der Strasse. Zitrusfrüchte, Pinienbäume, Olivenbäume, Föhren, Mandelbäume und Weinberge liegen abwechselnd an dieser Strasse und hinterliessen ihre Duftnoten in meinem Kopf.

Jedes Mal, wenn ich im Taxi sitze atme ich auf. Die Prozedere bei der Einreise für einen Palästinenser oder eine Palästinenserin, mit oder ohne israelische Identitätskarte von Jerusalem oder den übrigen palästinensischen Gebieten, ist haarsträubend und stressig. Es ist ihre psychologische Taktik uns die Fahrt in die Heimat zu verleiden. „He Leute, ihr seid hier erst in der zweiten, oder wo möglich in der dritten, Generation, ich aber bin in diesem Land seit dem 7. Jahrhundert. Nonstop. Ich bin bereit mit euch das Land zu teilen, denn immerhin atmen wir die gleiche Luft, trinken das gleiche Quellwasser und lieben die gleichen Düfte des Heiligen Landes.“

Die Fragestellungen am Flughafen sind so banal, dass die Banalität schmunzelt. Z.B. „Wie heisst dein Urgrossvater?“ „Hast du Waffen für die Selbstverteidigung auf dir?“ Manchmal geht es schnell, manchmal werde ich von einer Security in einen Raum gebracht den wir als VIP (Very important Palestinian) Raum bezeichnen um Verhöre über sich ergehen zu lassen. Wenn sie ganz gemein sein wollen verbringe ich bis zu zwei Stunden in diesem Raum. Immer höhere Beamte kommen vorbei und stellen die gleichen Fragen wieder und wieder. Die VIP Anekdoten, brauchen wir als Schutzschild um cool zu bleiben und Frau über die Lage zu sein.

Diesen Schutzschild brauche ich damit ich gelassen bleibe, obwohl es tatsächlich viel Geduld braucht um nicht schnippisch zu antworten. Tief innen weiss ich, auch wenn im Moment nirgends auf einer neuen Karte Palästina als Land gekennzeichnet ist, es ist meine Heimat, nicht nur spirituell, auch ethnologisch. Seit bald vierzig Jahren reise ich nun durch Ben Gurion um nach Ost-Jerusalem, dem Ort wo meine Wiege steht, zu gelangen, ob von der Uni oder von meiner neuen Heimat Schweiz, manchmal sogar zweimal im Jahr.

Nun bin ich angekommen, atme die Luft die auch du dort atmest und freue mich auf die alten bekannten Gesichter, auf das feine Essen und die besten Falafel (frittierte Kichererbsen-Bällchen) und den besten Hummos (Kichererbsen Mus) in ganz Arabien (und Israel). Ich freue mich auf die heiligen Stätte, und freue mich in der Altstadt herum zu laufen und inne zuhalten um zu erahnen, dass sich hier alle Propheten der monotheistischen Religionen auf diesen Pflastersteinen gewandert sind und über Gottes Liebe predigten. Es ist melodisch wie sich die arabische mit der hebräischen und den internationalen Sprachen in diesen alten Gassen mischen. Ein frohes Bild voller Hoffnung. Es könnte Pfingsten sein, wo alle Völker dieser Erde einander verstehen, sich gegenseitig respektieren und achten.

Frida Roser-Harb, 6.10.2013